Ein bißchen Beziehung

Ein bisschen Beziehung – und dann Anbieterwechsel?

Wenn die Begriffe sich verwirren, ist die Welt in Unordnung (Konfuzius, ca. 500 v.Chr.). Am Beispiel der Beziehung

Ist dir schon aufgefallen, dass sich in den letzten Jahren die Bedeutung von Wörtern immer mehr verändert, oder Wörter auch ganz unterschiedlich genutzt werden? Ein Beispiel, an dem mir das in meiner Arbeit in den letzten Jahren massiv aufgefallen ist, ist die Verwendung des Begriffs „Beziehung“ für das, was zwei Menschen miteinander auf intime Weise verbindet.

Hat man sich regelmäßig mit jemandem getroffen, mit dem man intim war und sehr persönliche Gespräche geführt hat, so hatte man eine Beziehung. Zusätzlich gab es auch die Nebenbeziehung (zum Beispiel neben einer Ehe), die manchmal auch Affaire genannt wurde. Hat sich ein Mensch mit jemandem nur zum Sex verabredet, war das ein One-Night-Stand, gab es diese Verabredungen gelegentlich, aber ohne, dass eine emotionale Bindung aufgebaut wurde, so hat man von einer Bettgeschichte gesprochen. Etwas Ähnliches war mit einem „Abenteuer“ gemeint: Eine Eroberung ohne feste Absichten.

In den letzten 5 Jahren verschwimmen diese Begriffe immer mehr. Da erzählen mir Menschen, dass sie keine Beziehung haben. Dann stellt sich heraus, dass sie sich seit einem halben Jahr dreimal in der Woche mit einem anderen Menschen treffen, dieser auch bei ihnen übernachtet, auch andersherum, dass sie ihre persönlichen und beruflichen Sorgen und Freuden miteinander teilen, also das tun, was man eigentlich eine Beziehung nennt, aber sagen, dass sie keine haben, weil einer der beiden oder gar beide beschlossen haben, das sei noch keine Beziehung. Oder nur ein bisschen. Es könnte vielleicht eine werden. Manche nennen es „Freundschaft plus“ und machen sich vor, dass es, wenn eines Tages das „plus“ wieder wegfällt, aus welchen Gründen auch immer, wieder eine ganz normale Freundschaft ist.

Deshalb erzählen sie auch im Freundes- und Familienkreis nicht von dieser Beziehung. Es gibt sie, aber sie wird geheim gehalten, so, als gäbe es sie nicht. Das ist schizophren. Mich wundert das, weil es immer häufiger vorkommt, und weil ich Psychologin bin, mache ich mir Gedanken darüber. Denn das, was nicht mehr Beziehung genannt wird, aber eigentlich eine ist, unterscheidet sich sehr deutlich von früheren Beziehungen, und das in einer Art und Weise, die den Beteiligten massiv schadet und sie nicht selten zu mir in die Praxis bringt:

Diese Beziehungen, die nicht Beziehungen genannt werden, funktionieren wie Konsum: man bucht sie so lange, bis man keinen Bock mehr hat. Dann kündigt man den Vertrag und wechselt zu dem Anbieter, der jetzt die besseren Preise oder Leistungen hat. Man lebt viele der Vorteile einer Beziehung: Man hat jemanden, der immer ein offenes Ohr hat, mit dem man das Bett teilt und den man kennt und schätzt, bei dem man sich gut aufgehoben fühlt, der manchmal das Lieblingsessen kocht und der einem vertraut ist. Gleichzeitig übernimmt man keinerlei Verantwortung für den anderen. In einer Beziehung übernimmt man ein Stückweit auch Verantwortung für das Wohlergeben des anderen. In den neuartigen Beziehungen, die nicht so genannt werden, ist das nicht der Fall. Es ist unverbindlich, solange wie es eben gerade passt, vielleicht, bis was Besseres kommt, oder man einfach keinen Bock mehr hat, die Kriterien dafür sind schwankend, das heißt: Diese neue Art von Beziehung verwehrt den Beteiligten jede Sicherheit: Sicherheit, dass der andere eben auch ein Stückweit für einen da ist, dass er die Bedürfnisse beider auf dem Schirm hat, dass er Rücksicht nimmt. Diese fehlende Sicherheit kann die Geschichte eine Weile sehr prickelnd halten, nicht selten gibt es Dramen oder Tränen, wenigstens auf einer Seite. Gleichzeitig fördert sie Ängste und einen enormen Druck: muss ich damit rechnen, dass der andere sich überhaupt nicht gebunden fühlt, kann er jederzeit weg sein, sobald ich nicht mehr gut genug / schön genug / nett genug / reich genug / was auch immer bin. Vielleicht kommt auch einfach auf Tinder jemand Interessanteres vorbei. Ich muss mich also permanent beweisen, das Ergebnis sind Selbstzweifel und häufig leidet das Selbstwertgefühl massiv.

Was mich am meisten an diesen Geschichten bedrückt: Ganz oft ist einer der Beteiligten durchaus bereit, sich auf eine Beziehung einzulassen und tut das auch. Er beugt sich aber dem Wunsch des anderen, der „noch nicht“ oder „nicht“ bereit für eine Beziehung ist oder anders gesagt: Die guten Seiten genießen möchte, aber den Preis dafür zu zahlen nicht bereit ist. Derjenige, der sich nun emotional bindet, leidet ständig.

Deshalb mein Appell: lass dich nicht auf Geschichten ein, die ihren Namen nicht tragen sollen. Nennen wir etwas anders als es ist, werden wir nach und nach verrückt. Wenn jemand regelmäßig bei dir übernachten möchte, aber nicht will, dass es jemand weiß, obwohl du ganz klar nicht die Affaire neben der Hauptbeziehung bist, lass dich nicht ein. Wer die Vorteile einer Beziehung mit dir will, aber nicht bereit ist, das seinen Freunden zu erzählen oder händchenhaltend mit dir durch die Stadt zu laufen, hat keine Beziehung verdient. Menschen kann man nicht konsumieren, Liebe lässt sich nicht konsumieren, Menschen sind nicht dazu da, benutzt zu werden.

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