Warum gibt es gerade beim Essen so viel Theater?

Keine Familie, wo es das nicht irgendwann gibt: Stress beim Essen. Die Kinder laden sich den Teller randvoll und sind nach drei Bissen satt. Oder sie mögen Broccoli nicht und auch keinen Sellerie, Reis nur mit Soße und überhaupt nichts Grünes. Ei nur gebraten, oder nur farblose Gerichte. Oder sie schaffen das Hauptgericht nicht weil sie platzen, schaufeln dann aber drei Portionen Dessert in sich hinein. Viele Eltern erleben täglichen Krieg und Diskussionen. Andere resignieren und kochen halt nur noch das, was der Nachwuchs mag, um Streitigkeiten zu vermeiden. Wie ist das aus psychologischer Sicht

Es ist in Ordnung, wenn Kinder ein paar Dinge nicht mögen. Dein Kleiner mag keinen Fisch? Ok. Dann darf er am Fischtag die Kartoffeln und den Salat eben ohne Fisch essen. Aber hin und wieder, am besten einmal im Halbjahr, muss er probieren. Denn der Geschmack ändert sich bekanntlich, und was heute bäh ist, kann morgen doch lecker sein. Auch wenn das ein oder andere Gemüse nicht mundet, ist das in Ordnung. So unser Kleinster. Er fand alles, was im Wasser lebt, eklig. Bis es Tintenfisch süß-sauer gab. Den wollte er gar nicht essen. Und musste dann ein winziges Stückchen probieren. Nachdem er es mit verbissenem Gesicht runtergewürgt hatte, hat er zwei große Portionen verputzt.

Zwei bis drei Sorten Gemüse, die in Kind nicht mag, liegen im normalen Bereich. Wenn ein Kind aber alles ablehnt, was grün ist oder überhaupt kein Gemüse essen will, stimmt etwas nicht. Dann dient der Essenstisch als Arena für familiäre Machtkämpfe. Natürlich ist nicht jedes Gericht ein Lieblingsessen, und es ist normal, dass Kinder ihre Möglichkeiten nutzen, um jeden Tag das zu kriegen, was sie gerne mögen. Dabei solltet ihr Eltern auf keinen Fall mitspielen.

Was kann schlimmstenfalls dann passieren? Dein Kind isst nicht. Keinen Broccoli, keine Kartoffeln, keinen Fisch. Ok sagst du, das ist in Ordnung. Alternativ gibt es Obst. Wenn das Kind das auch nicht möchte, muss es halt warten bis zum Abendessen. Keine Zwischenmahlzeit. Denn bietest du ihm eine Alternative an, lernt es: Ich kriege Extra-Essen, wenn ich mich nur vehement genug weigere. Dann schleichen sich diese Kämpfe an immer mehr Stellen ein.

Ein paar Worte zur Beruhigung an alle Eltern, die nun Sorge um die Zwerge bekommen: Es ist noch nie ein Kind verhungert, das sich geweigert hat, ein paar Dinge nicht zu essen und dann auf die nächste Mahlzeit warten musste. Dann isst es einfach mehr, und beim nächsten Mal knabbert es vielleicht doch ein Broccoliröschen, um kein Magenbrummen zu riskieren. Es nimmt nur eine kleine Portion? Völlig ok! Du kannst durchatmen. Alles im grünen Bereich. Und einige Jahre Stress am Tisch vermieden.