Warum wir Fake-News so leicht glauben und wie wir das ändern können

Vor ein paar Wochen kursierten Meldungen im Netz, nach denen an der Ostsee große Natotruppen bewegt würden, in Richtung Russland. Die Nato plane einen Krieg gegen Russland. Die Informationen stammten von einer russischen Nachrichtenagentur, die immer wieder Fake-News in die Welt setzt, sie beinhaltete Fotos von Truppen.

Nichts vom Inhalt stimmte. Keine Natotruppen waren in Richtung russische Grenzen verlegt worden, die komplette Meldung war erstunken und erlogen. Dennoch hatten sie Zehntausende von Menschen geteilt, sich Sorgen gemacht, Ressentiments gegen die Nato gehegt und so weiter.

Nicht erst seit Donald Trump also sitzen wir Fake News auf. Warum glauben wir sie so bereitwillig? Warum ist es so einfach, Menschen hinters Licht zu führen?

Ich bin sicher: Es gibt immer noch viele Leute, die glauben, die Nato-Truppen-Meldung sei wahr. Obwohl sie zigfach widerlegt wurde. Das gleiche gilt für die vielfältigen falschen Meldungen, die uns derzeit aus anderen Ländern erreichen.

Einerseits sind Menschen von Natur aus bequem. Meldungen selbst zu überprüfen erfordert Arbeit. Zuerst einmal müsste man sich die Quelle anschauen. Wer hat die Meldung in die Welt gesetzt? Hat er etwas davon? Ist er als Quelle seriös? Denn es kann einen Unterschied machen, ob eine medizinische Studie von einem Pharmaunternehmen in Auftrag und veröffentlicht wurde, oder von einem unabhängigen Institut. Ob das Institut wirklich unabhängig ist, sieht man nicht immer auf den ersten Blick, auch das müsste man überprüfen. Den meisten Lesern ist das zu viel Arbeit – oder sie kommen nicht an die nötigen Informationen.

Durch die Vielfalt der Nachrichten, zum Beispiel auf Facebook, ist das auch zeitlich oft gar nicht mehr möglich. Und da alle Nachrichten im gleichen Stream erscheinen, kommen sie uns auch irgendwie gleich vor, gleich recherchiert, jede Nachricht eine Meinung, alle gleich gut. Dass sie eben aus verschiedenen Quellen stammen, erscheint Nebensache. Ist alles Facebook und fertig. Darin liegt eine enorme Möglichkeit für vielfältige Manipulation.

Der zweite Grund, warum häufig die abstrusesten Nachrichten geglaubt werden, greift dann, wenn sie bewusste oder unbewusste Erwartungen erfüllen. Wir glauben, eigentlich kann man der Nato nicht trauen? Zack, glauben wir einem Artikel, der das bestätigt, ohne ihn kritisch zu hinterfragen. Wir sind der Meinung, Priester sind besonders gute Menschen? Schon glauben wir Missbrauchsvorwürfen nicht mehr, wenn sie gegen Priester erhoben werden. So war das jahrzehntelang. Nun hat es sich genau umgedreht. Das ist nicht besser.

Was wir also tun können, um seltener erfundenen Meldungen auf den Leim zu gehen und uns so wenig wie möglich manipulieren zu lassen?

Erstens genau überprüfen: Glaube ich einer Meldung, weil das, was darin steht, zu dem passt, wovon ich eh überzeugt bin? Besonders gut überprüfen? Habe ich mir die Quelle der Meldung angeschaut? Das sollte das Minimum sein, was ich tue, bevor ich sage, aha, so ist das also und es womöglich sogar noch weiter verbreite.

Das ist schwierig? Stimmt. Es ist anstrengend. Aber nötig, damit nicht irgendwann Medienmacht und Populismus stärker sind als gründliche Recherche und die Wahrheit. Denn die gibt es immer noch. Auch wenn manche Demagogen uns etwas anderes glauben machen wollen.

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