Warum ich gegen die Burka bin

Nein, ich bin nicht rassistisch. Ich habe nichts gegen Muslime, und auch nichts gegen Musliminnen. Ganz im Gegenteil. Ich habe keine Angst, dass Menschen die Burka nutzen, um einen Sprengstoffgürtel zu verstecken. Wer das möchte, braucht keine Burka. Aber im Zusammenhang mit der Frage um die Vollverschleierung werden die falschen Fragen gestellt.

Nur ein Bruchteil alles Musliminnen weltweit trägt eine Burka, nur etwa 5 %. Die restlichen Musliminnen tragen keine, vielleicht einen Schleier, vielleicht auch keinen. Und auch letztere bezeichnen sich als gläubige Musliminnen und fallen in ihrer Gemeinschaft nicht aus dem Rahmen. Weltweit gibt es viele Imame, die ebenfalls nicht verstehen, weshalb das Tragen eines Schleiers oder gar einer Vollverschleierung ein religiöses „Muss“ sein soll. Es ist eine Frage der Auslegung, ähnlich wie im Christentum. Da gibt es Strömungen, die es Frauen vorschreiben, einen langen Rock zu tragen und andere, die finden es in Ordnung, wenn frau anzieht was sie möchte. Solche, die Menschen ächten, die sich ohne verheiratet zu sein küssen, und solche, die es tolerieren.

Die Burka wird in Regionen getragen, in denen eine besonders orthodoxe, strenge Auslegung des Islam gilt. Wo die Scharia Gesetz ist. Wo Frauen gesteinigt werden, wenn sie vergewaltigt worden sind, weil sie „außerehelichen Sex“ gehabt hätten. Wo alle (!) Frauen Mündel sind. das heißt, dass sie ohne das Einverständnis ihres Vormunds, des Vaters, Bruders oder des Ehemanns nicht einmal das Haus verlassen dürfen. Sie dürfen nicht reisen, nicht mit Fremden sprechen, nicht mit anderen als den eigenen Männern, sie dürfen nicht arbeiten gehen, nicht alleine reisen. Sie sind moderne Leibeigene. Sie wählen nicht, wen sie heiraten, sie werden verheiratet, manchmal schon als Kinder mit 12 Jahren, manchmal an Männer, die viele Jahre älter sind und bereits eine oder mehrere Frauen haben. Es reicht, dass wir nach Saudi Arabien schauen, nach Afghanistan, auch in die von der IS kontrollieren Gebiete in Syrien.

Der Bewegungsradius dieser Frauen ist extrem eingeschränkt, und keine von ihnen hat, was das Tragen der Vollverschleierung angeht, eine Wahl. Trägt frau den Schleier nicht, greifen die brutalen Regeln der Scharia, es drohen Gefängnis, Peitschenschläge und Schlimmeres. Der Ganzkörperschleier ist also kein Symbol einer wie auch immer gestalteten Freiheit, sondern genau ihr Gegenteil.

Deshalb halte ich die Burka und andere Formen der Vollverschleierung nicht für religiöse Symbole, sondern für politische. Sie sind Symbol für eine Gesellschaftsform, die der Hälfte der dort lebenden Menschen jegliche Freiheit abspricht: Den Frauen. Sie huschen wie schwarze Gespenster durch die Straßen, brauchen dazu eine Erlaubnis, sie sind entpersönlicht, anonyme Vertreterinnen der Spezies Frau. Das, was wir für selbstverständliche Menschenrechte halten, gilt für diese Frauen nicht.

Dahinter steht eine Haltung, die ich mit meinen Werten nicht vereinbaren kann. Tolerieren wir die Burka in unseren Straßen, nehmen wir diesen Frauen die Chance, als Menschen sichtbar zu werden, mit anderen Menschen in Interaktion zu treten und von all dem zu profitieren, was unsere Gesellschaft Männern wie Frauen ermöglicht. Wir unterstützen eine Apartheid, die zwar keine Rassen-Apartheid ist, sondern eine Geschlechter-Apartheid. Erstere in Südafrika haben wir geächtet und boykottiert. Es war Konsens, dass das nicht akzeptabel ist. Ich finde das absolut richtig. Sind aber Frauen diejenigen, die aus dem gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen werden, diskutieren wir plötzlich über kulturelle Unterschiede und Religion, und nicht mehr über Menschenrechte. Wir sind feige.

Ich bin gegen die Burka, weil sie Frauen entrechtet und ein sichtbares Zeichen für einen Islam ist, der mit unseren Grundrechten nicht vereinbar ist. Kein Mensch darf entrechtet werden, im Namen keiner Kultur und keines Gottes. Kein Südafrikanischer Schwarzer, kein Jude, kein Mensch mit einer Behinderung, kein Homosexueller, und auch keine Frau.