Warum ist es so schwierig, schlechte Angewohnheiten zu verändern?

Du kennst das: Du nimmst dir vor, eine Angewohnheit zu verändern, tust das ein paarmal ganz bewusst, aber irgendwann merkst du, dass du in den alten Trott zurückgefallen bist. Warum ist das so?

Alles, was wir häufig tun, automatisieren wir. Dazu gehören ganz spezielle Fertigkeiten, zum Beispiel das Führen des Skalpells beim Chirurgen, aber auch ganz Alltägliches: Fahrradfahren, Auto fahren, einen Faden einfädeln, schreiben, einen Zopf flechten, eine Schraube anziehen, die Badewanne putzen. Würden solche Tätigkeiten nicht automatisiert, müssten wir sie jedes Mal aufs Neue lernen. Eine Katastrophe!

Leider macht unser Gehirn beim Automatisieren keinen Unterschied zwischen gut und schlecht. Alles, was wir oft wiederholen, wird automatisiert. Auch Ungesundes wie das Rauchen, der Gang zum Kühlschrank bei Stress, bestimmte Reaktionen in Streits. Die wollen wir dann manchmal gerne wieder ändern – und knallen an die Wand der Gewohnheit.

Was hilft? Beharrlichkeit. Wiederholung des neuen Verhaltens. Immer wieder.

Bei täglichen Gewohnheiten, die in den Alltagsablauf eingebunden sind (das Glas Wein am Abend) musst du 3-4 Monate für die Umstellung rechnen, während derer du dem inneren Schweinehund täglich Paroli bieten musst, anfangs heftiger, dann einfacher. Dann hat sich der neue Ablauf eingeschliffen und ist nun automatisiert. Er überdeckt die alte Spur, und du denkst in der Regel gar nicht mehr an das alte Verhalten.

Bei allen anderen Gewohnheiten rechne etwa 100 Wiederholungen. 100 Mal beim Essen bewusst nach jedem Bissen die Gabel hinlegen. 100 Mal „Fisch“ anstatt „Fuck“ sagen, wenn du genervt bist. 100 Mal nach dem Essen die Zähne gründlicher putzen als bisher.

Dann klappt es mit der Umgewöhnung.

Was sagt uns das über den Zeitgenossen, der den Silvester-Vorwurf schon im Februar für gescheitert erklärt? Genau: Weitermachen oder neu starten. Es braucht einfach Zeit.