Was tun bei posttraumatischen Depressionen?

Depressionen können auch Folge eines Traumas sein. Nicht immer sind sie das. Darüber habe ich letzte Woche geschrieben.

Hast du aber ein Trauma erlebt und in den Jahren danach Depressionen entwickelt, die so einschneidend für dich sind, dass du dich selbst dadurch als Person ganz verändert fühlst, können die Depressionen durch das Trauma ausgelöst sein. Nicht direkt, aber als Folge dessen, was sich nach einem Trauma im Nervensystem abspielt.

Was sind aber Traumata? Unter Traumata hat man herkömmlich einschneidende und lebensbedrohliche Ereignisse eingeordnet wie Krieg, Naturkatastrophen, körperliche oder sexuelle Gewalterfahrungen oder den abrupten Verlust eines geliebten Menschen. Inzwischen fasst man die Ereignisse, die traumatisch wirken können, viel weiter. Traumafolgestörungen werden häufig durch scheinbar alltägliche Situationen ausgelöst: Den Verlust eines Haustiers (vor allem bei Kindern),  medizinischer Eingriffe, aber auch, und das ist recht neu, emotionale Vernachlässigung in der Kindheit. Das heißt: Auch wenn ein Kind keine sichtbare Gewalt erlebt, aber von den nächsten Bezugspersonen für eigene Bedürfnisse gebraucht und benutzt wird (also missbraucht), entstehen Strukturen, die denen nach extremen Gewalterfahrungen gleichen. Ob der Missbrauch sexueller oder emotionaler Natur ist, spielt dabei zuerst einmal eine untergeordnete Rolle.

Kann ein Trauma nicht verarbeitet werden (etwa die Hälfte der Menschen, die ein traumatisches Erlebnis haben, ist nach einem halben Jahr von selbst beschwerdefrei – erst danach spricht man von einer Trauma-Folgestörung), entwickelt sich in den meisten Fällen eine erhöhte innere Spannung. Es kann immer wieder zu Gefühls-Überflutungen kommen, in Form von starker Unruhe, Panik, Ängsten oder anderen heftigen Gefühlen wie Scham oder Ekel. Oft gesellen sich Schlafstörungen dazu, man trinkt abends vielleicht ein Glas Wein mehr als früher, um einschlafen zu können, was dann nicht selten auch zu Suchtproblemen fühlt. Viele Betroffene essen zu viel oder zu süß oder nutzen andere Mittel, die im Gehirn erst einmal wieder Ruhe herstellen. Sie nutzen Drogen als eine Art unbewusste Selbstmedikation, kurzfristig wirksam, langfristig schädlich.

Verändern sich die Symptome nach einer Zeit in eine depressive Richtung, fühlt man sich niedergeschlagen, erschöpft, ohne Perspektive, ohne Energie, aber ohne wirkliche Ruhe. Man kann sich trotz der Energielosigkeit nicht erholen. Häufig sogar ist man einerseits niedergeschlagen, andererseits immer noch unruhig oder getrieben. Ruhe kann man gar nicht aushalten. Geschieht das, spricht man ebenfalls von einer Depression. Sie ist posttraumatisch, weil sie durch die von einem Trauma ausgelösten Symptome entstanden ist. Das Nervensystem ist erschöpft, der Körper geht in einen Energiesparmodus.

Im Extremfall kann es passieren, dass Menschen dann in einen Zustand geraten, in dem sie sich überhaupt nicht mehr spüren und wie betäubt fühlen. Sie können sich nicht mehr konzentrieren, sich für nichts mehr begeistern oder motivieren und überleben mehr als dass sie leben.

Ist eine Depression in Folge eines Traumas entstanden, braucht es eine Behandlung des Traumas. Denn erst, wenn dieses sortiert wurde und im Nervensystem keine Unordnung mehr schafft, kann auch die dadurch entstandene Depression wieder verschwinden. Traumatherapeuten muss man manchmal etwas suchen, aber es gibt sie. Als am wirkungsvollsten haben sich in den letzten Jahren in der Behandlung von Traumata non-verbale Methoden erwiesen wie zum Beispiel EMDR (nach FRancine Shapiro und Arne Hofmann) oder EMI (nach Danie Beaulieu). Auch Methoden aus der Energetischen Psychologie (nach Fred Gallo) zeigen oft gute und schnelle Erfolge.

Kann man selbst etwas tun, wenn man glaubt, eine Traumafolgestörung zu haben? Ja, man kann eine Menge tun. Sport hilft vielen Betroffenen, Rhytmusarbeit wie Trommeln oder Tanzen (gerade bei frühen Traumata in der Kindheit), das Zusammensein mit Menschen, die stabil sind und wohlwollend. Außerdem gibt es gute Selbsthilfeprogramme. Ein sehr gutes hat Peter Levine in einem Buch mit CD beschrieben. Es heißt: „Vom Trauma befreien – wie Sie seelische und körperliche Blockaden lösen“.

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