Die Kehrseite der Digitalisierung – verlieren wir die Power unserer Jugendlichen?

Jugendliche sind keine Kakteen – auch wenn das gerne so gesehen wird. Sie sind nicht einfach nur ein paar Jahre hormonell verschraubt, und werden dann wieder normal. Der Umbau, der mit der Pubertät beginnt und sich bis in die Mitte der Zwanziger hinzieht, ist viel weitreichender. Jugendliche werden emotionaler. Sie spüren alles stärker, was wichtig ist, denn dadurch werden sie auch mutiger und bereit, alte Schranken nieder zu reißen, die für ihre Eltern noch gar normal sind. Sie können sich von Jahr zu Jahr besser organisieren, rationaler denken und immer klügere Entscheidungen treffen – weil ihr Frontalhirn ausgebaut wird und immer mehr Kontrolle über die Gefühle übernimmt.

Sie entwickeln neue Ideen über die Welt, und sie suchen einen Sinn. Das macht sie so wundervoll kreativ, das ermöglicht ihnen, so viele neue Ideen zu haben und zu handeln, anstatt sich über die Verhältnisse zu beklagen.

Und die Welt ist voll von Menschen, die das tun, die Projekte starten, mit denen die Welt besser wird. Das ist die Power der Jugend, und sie entfaltet sich frei, wenn Eltern ihren Kindern nicht zu viele Steine in den Weg legen – dann richtet sich die Power der Jugendlichen gegen diese Steine, sie kämpfen gegen ihre Eltern, habe aber nicht immer genug Power übrig, um ihr eigenes Leben vernünftig und mutig zu planen. Und, und hier kommt die Digitalisierung ins Spiel: Wenn sie nicht unterwegs in eine Sucht rutschen. Denn auch dafür sind sie in ihrer Jugend besonders anfällig, besonders während sie noch Teenager sind.

Immer weniger Teenager rauchen. Das ist gut.

Aber sehr viele hängen Tag für Tag an ihrem Laptop oder Handy und spielen. Die Folgen für das Gehirn sind die gleichen wie bei Tabakkonsum: Dopamin, der Belohnungs-Botenstoff im Gehirn, wird beim Spielen ausgeschüttet, aber nicht mehr bei einem normalen Erfolg im täglichen Leben, zum Beispiel, wenn etwas erfolgreich gelernt und mit einer guten Note belohnt wurde. Auch nicht, wenn eine sportliche Leistung erreicht wurde.

Die Folge: Die Motivation, sich für etwas im echten Leben draußen anzustrengen, sinkt. Denn Motivation für ein Ziel setzt voraus, dass man sich auch darüber freuen kann, wenn das Ziel erreicht wurde.

Genau das wird durch das Spielen im Netz unterbunden. Deshalb sehe ich die digitalen Medien für Kinder als die derzeit größte Gefahr. Digitalisierung ist gut, wenn sie lernen, wie man programmiert und wie die digitalen Medien „ticken“, was sie mit unserem Leben tun und wie sie funktionieren, und wie man sie beherrscht. Sie ist nicht gut, wenn unsere Kinder zu bloßen Usern werden. Dann macht sie das Leben zwar angenehmer und leichter, aber sie behindert die Entwicklung der Kinder, und sie behindert ganz konkret und messbar die Entwicklung des Gehirns zu einem Apparat, der kluges Handeln, eine hohe Selbst-Motivation und engagiertes Mensch-Sein ermöglicht.

Nachgewiesen wurde das inzwischen vielfach in Tausenden von Hirnscans. Am besten nachzulesen bei Daniel Siegel, zum Beispiel in seinem Buch „Brainstorm“, auf deusch: „Aufruhr im Kopf“.

Hängen unsere Kinder also zu lange an den digitalen Geräten, verlieren sie nicht nur viel Zeit, in der sie sich bewegen oder etwas lernen könnten – sie gehen uns als Abenteurer, als verwegene Entdecker verloren, als die Triebkräfte für Veränderung, die schon immer radikale Veränderungen in die Gesellschaft gebracht haben. Mit dem Rucksack und ein paar Euro auf Reisen? Lieber mit dem ICE und einer Kreditkarte und dem Handy, so dass man immer mit zuhause verbunden ist. Mit 18 endlich aus  dem Haus? Lieber in der Nähe studieren und einen Bausparvertrag abschließen. Das beruhigt vielleicht die Eltern – aber ist es wirklich gut?

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