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Photo by Ekaterina Shakharova on Unsplash

Es ist höchste Zeit, dass wir uns wieder umarmen!

Es gibt zurzeit keinen rationalen und erst recht keinen wissenschaftlichen Grund dafür, andere Menschen nicht zu berühren und in den Arm zu nehmen. Ja, die Medien warnen, man weiß ja nie… Trotzdem: Es gibt zurzeit keinen rationalen Grund dafür, einen anderen Menschen nicht in den Arm zu nehmen. Trotzdem erlebe ich im Moment um mich herum noch sehr viele Menschen, die sich das kaum mehr trauen oder nicht einmal mehr den Reflex haben, das zu tun – obwohl sie ihr Gegenüber gut kennen, sehr mögen und früher ganz selbstverständlich umarmt haben.

Nach über einem Jahr Angstrhetorik ist in den Köpfen vieles verschoben. Unser Nächster wurde uns so lange als potentiell gefährlich beschrieben, wir selbst als potentiell ansteckend und möglicherweise tödlich, auch bei bester Gesundheit, dass viele Menschen gar kein Gefühl mehr für gesunde Nähe haben. Wir wurden komplett verwirrt. Das führt dazu, dass sich viele nun vor Berührungen und Nähe fürchten, immer noch einen Bogen um andere machen, sie immer noch mit der Faust oder dem Ellbogen begrüßen, während sie sich gleichzeitig abwenden. Andere Menschen trauen sich nicht einmal mehr richtig aus dem Haus. Manche halten sogar Abstand, obwohl sie geimpft und getestet sind. Jemanden treffen, sich freuen und ihn spontan in den Arm zu nehmen, erlauben sich viele Menschen nicht mehr – vielleicht nie mehr?

Vor eineinhalb Jahren hätten diese Menschen eine psychiatrische Diagnose bekommen. Sie leiden unter einer Angststörung, die sich, ausgelöst durch die Angst vor einer Krankheit. Ausgeweitet auf die Angst vor anderen Menschen und vor allem vor Nähe zu anderen Menschen. Ja, natürlich: Das wurde uns lange intensiv auf allen Kanälen eingeredet, und in bestimmten Situationen war der Abstand auch sinnvoll und richtig. In vielen anderen aber nicht. Eine regelrechte Hirnwäsche haben wir erlebt. Ein bisschen, wie wenn man aus berechtigter Angst vor dem Ertrinken beim Schwimmen in einem reißenden Fluss einen Rettungsring anzieht, den man danach aber nie wieder abnimmt und mit dem man dann in der Stadt herum marschiert, sozusagen zur Sicherheit. Da würden wir irgendwann sagen: Der tickt nicht mehr richtig. Und wir würden diesem Menschen sagen: Hey, alles gut! Du kannst den Rettungsring jetzt abnehmen. Und würde dieser Mensch nun sagen, nein, das mache ich nicht, ich könnte ja ertrinken, würden wir ihn zur Psychotherapie schicken.

Genauso geht es uns gerade mit der Vermeidung von körperlicher Nähe. Nur ist da niemand der sagt: Hey, alles gut. Nimm deine Freunde wieder in den Arm. Sondern ganz im Gegenteil: Die Angst vor dem Ertrinken wird medial weitergeschürt, und jeder, die weiterhin Kontakt vermeidet, als Retter im Kampf gegen das Ertrinken gefeiert.Es ist, als wären wir alle verrückt geworden.

Es ist, als hätten wir uns darauf geeinigt, dass das „Das neue Normal“ sein soll. Menschliche Nähe als Gefahr auf Dauer, immer und überall.

Dabei ist der Abstand nicht nur gegen die menschliche Natur. Er macht auch krank. Menschen brauchen Körperkontakt. Er ist kein „nice-to-have“, also etwas, das das Leben ein bisschen netter macht. Körperkontakt ist ein „must-have“, ein Bedürfnis. Ohne ihn geht es uns schlecht. Ohne Körperkontakt hat unser Nervensystem Stress, wir sind ängstlicher, fühlen uns eher einsam und getrennt von den anderen, unsere Fähigkeit zum Aufbau von Beziehungen und zur Empathie nimmt ab. Kinder, die keinen Körperkontakt erleben, haben als Erwachsene mit gravierenden Störungen zu kämpfen und müssen oft mühsam lernen, anderen Menschen zu vertrauen und sich einzulassen. Aber auch Erwachsene brauchen Nähe, damit sie gesund und glücklich bleiben. Fehlt der Körperkontakt, werden sie ängstlicher, sie werden depressiv, die Suchtgefahr steigt. Menschen in einer Situation, die sicher ist, einzureden, Körperkontakt wäre gefährlich, ist ein Verbrechen gegen die menschliche Natur.

Wollen wir das wirklich? Automaten werden, deren höchste Devise die Vorsicht ist, die einander mit Misstrauen beäugen, anstatt gemeinsam zu leben, zu lieben, sich zu verbinden und miteinander zu fühlen und Anteil zu nehmen, empathisch und nah? Ich möchte das nicht. Ich bin umarmbar, ich freue mich über Nähe und verschenke sie gern.

Photo by Ekaterina Shakharova on Unsplash

2 Gedanken zu „Es ist höchste Zeit, dass wir uns wieder umarmen!“

  1. Hey liebe Anke, vielen Dank für Deinen Beitrag!
    Ver-rückter Weise war mein erster Impuls als ich den Text gelesen habe: wow, die traut sich was, die Anke! Die Angstmaschinerie arbeitet wirklich effizient und gut! Ich habe das Gefühl, ich muss mich immer wieder aufs neue wappnen… und viiiieeeeel mehr umarmen!

    Herzliche Grüße
    Andrea

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  2. Ja, das Covid-Missmanagement ist zum Leute aus den Positionen jagen!

    Aus der Sicht der Epidemiologen mögen die Maßnahmen richtig sein – aber Politiker sind dem gesamtgesellschaftlichen Wohl verpflichtet, die Vielzahl der Stimmen zu hören und abzuwägen, und ihre Aufgabe ist die politische Steuerung: Schulen sicherer machen (kleinere Klassen, Belüftungsanlagen, Lehrpersonal absichern, zur Not auch Tests, etc.), Arbeitsplätze sicher machen (Arbeitsplatzsicherheit kontrollieren ist auch staatliche Aufgabe), Gesundheitsämter für ein Pandemiezeitalter auszustatten (Ressourcen aller Art), etc.

    Das ist die Aufgabe des Bundes, der Länder, der Ministerien – und da erwarte ich seit mehr als einem Jahr: Kooperation in der Krise, Lernen und die Krise als Chance zu nutzen; das Land fit for purpose zu machen (u.a. Digitalisierung der KMU, der privaten Haushalte; die Krankenhäuser wieder mit hochqualifiziertem Pflegepersonal, das man teuer ausgebildet und dann schändlich vernachlässigt hat (!) wieder zu gesundheitsfördernden Häusern zu modernisieren, usw.).
    Da läuft nix! Europäische STRUKTURFONDS stehen zur Verfügung – aber es werden keine Strukturen für das Pandemiezeitalter geschaffen!
    Soll das so weitergehen???

    Unter ‚Longterm Covid‘ denke ich vor allem die Langzeitschäden, die so gerne unter den Tisch gekehrt oder als ‚individuel fehlendes Resilienzverhalten‘ dargestellt werden: Anzeichen kompletter Vereinsamung und psychischen Erkrankungen, digitalisierte Hirne bei digitalisierter Arbeit und Freizeit („hol dir doch die Oper auf’s Laptop“, fehlende Stimulation der Sinne (Kino, Theater, Musik, soziale Gruppen) und entspr emotionale Störungen; aber auch ganz konkret: Leber-, Herz-, Kreislauf-, Krebserkrankungen, die in Vorstufen nicht erkannt werden, – – wer geht jetzt schon zum Arzt oder in die Klinik? Wie hoch sind diese Kosten dieses politischen Longterm-Covid für den Einzelnen, die Gesellschaft (z.B. Krankenkassen)?

    Sollte man nicht mal ausgleichend gegensteuern und den Kopf auf die Füße bringen?

    Wir sind Menschen – keine Tiere, die man wegsperrt…

    Die Menschen in ihrem Verhalten einzuschränken, und z.B. auch das Ausland (Urlaub) als Übel darzustellen, ist das Einfachste – aber politische Steuerung und das eigene Land „fit for purpose“ zu machen, ist die eigentliche Aufgabe der Ministerien, Ministerpräsidenten, der Bundesregierung…

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