Wem Psychotherapie schadet

Achtung, Psychotherapie kann die Lebensplanung stark beschränken!Dabei meine ich nicht die Therapie an sich – sondern die Tatsache, dass man Hilfe zum Beispiel in einer Krise in Anspruch genommen hat.

Dazu hat mein Kollege Manfred Prior im aktuellen MEGaphon eine kluge Kolumne geschrieben, deren wesentliche Inhalte ich für alle wiederholen möchte, die mit dem Gedanken spielen, eine Psychotherapie zu beginnen oder mit einer psychiatrischen Diagnose (Depression, Erschöpfungsdepression (Burnout), Angststörung, Anpassungsstörung, Postttraumatische Belastungsstörung und so weiter) eine Kur in Anspruch nehmen möchten.

Krankenkassen zahlen Gesprächs- oder Verhaltenstherapie, sowohl ambulant als auch stationär. Dazu muss eine Diagnose vorliegen. Ein Arzt oder der Therapeut muss also eine psychische Erkrankung bestätigen. Ohne Erkrankung ist die Krankenkasse nicht zuständig. Liegt eine Erkrankung vor, muss die Kasse bezahlen. So weit, so gut.

Nicht erst seit dem vom Piloten verursachten Absturz der German Wings in den Alpen werden Bewerber auf verschiedene Posten auf mögliche Sicherheitsrisiken überprüft. So wird es künftig für Piloten immer schwieriger werden, eine Anstellung zu bekommen, wenn sie einmal eine Psychotherapie gemacht haben. Die Sorge lautet: Wer einmal psychisch krank war, kann es auch noch einmal werden. Das Gleiche gilt für Menschen, die bei der Feuerwehr, bei der Polizei oder bei der Bundeswehr arbeiten möchten. Aber auch Verwaltungsbeamte müssen sich einer Gesundheitsprüfung unterziehen, bevor sie verbeamtet werden. Und wer da in den letzten 5 Jahren in Therapie war, hat schlechte Karten – selbst, wenn es ihm wieder rundherum gut geht.

Aber auch für Selbstständige kann eine Psychotherapie zur Bremse werden. Möchten diese einen Kredit aufnehmen, bekommen sie ihn bei solider Planung in der Regel gerne. Vorausgesetzt, sie haben eine Lebensversicherung, eine Berufsunfähigkeitsversicherung und eine Absicherung für Krankentagegeld. Genau dann aber wird wieder abgefragt. Wer eine Psychotherapie gemacht hat, bekommt entweder keinen Vertrag, oder nur einen mit einem sehr hohen Zuschlag. Und ohne Versicherung kein Kredit, also kein Unternehmensaufbau, oder keine Erweiterung. Da kann schnell einmal die Unternehmensgründung daran scheitern, dass man in einer Krise dreimal beim Psychologen war und sich hat beraten lassen.

Was also tun?

Man kann eine Versicherung schon vor Beginn einer Therapie abschließen, wenn es darum geht, dass man wegen eines Kredits nur die Versicherung nachweisen muss. Wird dagegen wegen eines Jobs die Therapie an sich als Sicherheitsrisiko angesehen, hilft das nicht weiter.

Es gibt darüber hinaus kostenlose oder günstige Beratungsangebote, die bei persönlichen, Beziehungs- oder familiären Schwierigkeiten ohne die Krankenkassen weiterhelfen können. Fast jede Stadt hat eine oder zwei psychologische Beratungsstellen, häufig über die Caritas oder die Diakonie. Allerdings gibt es dort wenig Plätze, und meist ist die Beratung auf kurze Zeit ausgelegt. Bekommt man dort aber Hilfe, wird keine Diagnose gestellt, und man taucht auch nicht als „Patient“ in den Systemen der Versicherungen auf.

Manche Betroffenen überlegen sich, ob sie eine psychologische Intervention aus eigener Tasche bezahlen, damit sie später später lügen können, wenn sie gefragt werden. Da die Rechnung direkt an sie selbst geht, erfahren die Versicherungen nicht davon, was sie dagegen häufig tun, wenn bei einer kassenfinanzierten Therapie die Rechnung erst einmal in den Systemen liegt.