Frauen, bleibt bitte wachsam!

Liebe Frauen: Wir glauben, dass wir die Emanzipation heute nicht mehr brauchen. Dass sie eine wichtige Aktion von Frauen war, die in unmodischen lila Latzhosen rumliefen und für die Rechte von Frauen kämpften, die heute selbstverständlich sind. Und dass die Mahnung von Simone de Beauvoir, Frauen müssten immer wachsam bleiben, was ihre Rechte angeht, damals Sinn machte, heute aber nicht mehr. Fakt ist: Sobald es gesellschaftliche Umbrüche gibt, sind die Rechte von Frauen in Gefahr. Überall auf der Welt. Das gilt für Afghanistan, wo Frauen vor zwei Jahrzehnten noch viel häufiger Berufen nachgingen als heute, wo sie sich nun in Häusern und unter der blauen Burka (mitsamt Metallkäfig um den Mund herum!) verstecken müssen und ihren Männern mit Leib und Leben gehören. Das gilt für viele Länder in Nordafrika, in denen Frauen noch vor einer Generation selbst entscheiden konnten, ob sie mit bedecktem oder offenen Haar auf die Straße gehen, ohne sich Angriffen oder Belästigungen auszusetzen. Und viel häufiger ein selbstständiges Leben führten als heute. Das gilt aber auch für den deutschsprachigen Raum. Ich meine damit nicht die Tatsache, dass Frauen für gleiche Leistung im Schnitt immer noch schlechter bezahlt werden oder seltener befördert werden. Es geht mir um viel Fundamentaleres. Beispiele gefällig? Hier sind nur drei von unzähligen:

In der Schweiz weigern sich zwei männliche muslimische Schüler, einer (weiblichen) Lehrerin die Hand zu geben. Der Grund dafür sei religiös. Der Direktor (ein Mann) zeigt Verständnis und gestattet den Schülern den Affront. Was wäre passiert, hätten sich die gleichen Schüler mit „religiöser“ Begründung geweigert, einem Schwarzen die Hand zu geben?

In Deutschland erhalten Frauen, die nach den Gesetzen der Scharia geheiratet haben (und nicht selten von ihren Familien zwangsverheiratet wurden) von deutschen Gerichten weniger Schutz vor Gewalt durch ihre Männer als andere Frauen. Sie hätten ja gewusst, auf was sie sich einlassen, wird argumentiert und gleichzeitig die Scharia über deutsches Recht gestellt! Aber gerade diese Frauen bräuchten den besonderen Schutz der Justiz. Sie werden im Stich gelassen und als Bürgerinnen zweiter Klasse behandelt, anstatt für sich und ihre Kinder Hilfe gegen Gewalt zu erlangen.

Die brutale, lebensgefährliche und lebenslang Schmerzen und Beschwerden verursachende Genitalbeschneidung von Mädchen darf in Deutschland nicht vorgenommen werden. Hier steht sie unter Strafe. Deshalb reisen Familien, die ihre Töchter beschneiden lassen möchten, dafür ins Ausland. Dann haben sie hier keine Strafe zu befürchten. Während Männer, die ins Ausland reisen, um dort Kinder zu missbrauchen, auch in Deutschland verurteilt werden können (zu Recht!), ist die brutale Körperverletzung durch Beschneidung von kleinen Mädchen geduldet. Diese Mädchen müssen ihr Leben lang Schmerzen erleiden, können später keine sexuelle Lust empfinden, erleiden oft schwere Verletzungen bei Geburten oder beim Sexualakt. Würden wir die Verstümmelung von kleinen Jungen gleichermaßen dulden?

Schon heute wird hier der angebliche Schutz von religiösen oder ethnischen Gebräuchen über den Schutz von Frauen und Mädchen gestellt. Im Zweifelsfall verlieren immer die Frauen. Hier und heute. Ganz unbemerkt von vielen werden schon heute viele der Errungenschaften der Emanzipation unserer Mütter wieder rückgängig gemacht.

Ihr Frauen, bezieht Stellung. Die Rechte von Frauen, die uns so selbstverständlich erscheinen, sind uns nicht sicher. Hier nicht, und woanders noch weniger. Wir sollten uns das jeden Tag bewusst machen.

 

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