Kann man Gefühle bekämpfen?

Kann man Gefühle bekämpfen? Diese Trauer im Innern, die Wut, den Hass, den Neid? Schmerz und Hoffnungslosigkeit? Oft sagen wir ja, wenn jemand traurig ist: „Es ist alles nicht so schlimm. Du wirst sehen: Morgen scheint wieder die Sonne.“

Mal Hand aufs Herz: Hat dir das schon ein einziges Mal geholfen, wenn es dir schlecht ging? Bist du ein einziges Mal aus einer Stinkwut herausgekommen, weil dir jemand gesagt hat, es lohne nicht, sich aufzuregen?

Warum ist das so?

Nun, ganz einfach: Wenn du gegen ein Gefühl ankämpfst, dann richtest du Widerstand darauf. Du sagst: „Hau ab! Ich will dich nicht.“

Das Gefühl ist aber da, und es hat gute Gründe da zu sein, oder wenigstens glaubt es das. Gehst du dagegen, rüstet es auf. Das Gleiche passiert, wenn jemand anders dir erklärt, warum dein Gefühl falsch ist oder warum du es nicht haben solltest. Es wird stärker, und du fühlst dich missverstanden und alleine.

Was also tun, wenn man ungute und quälende Gefühle nicht dadurch loswerden kann, dass man es will und dagegen ankämpft? Sich ihnen ergeben?

Nein, denn auch das würde sie stärken. Es gibt einen dritten Weg, und wie der hilft, zeigt uns die buddhistische Psychologie seit Jahrtausenden. Wenn du ein schmerzendes Gefühl in dir trägst, beginne, es wie ein Wissenschaftler zu beobachten, mit Interesse, aber ein wenig von außen, als würdest du sagen: „Interessant, da nimmt mir jemand die Vorfahrt, und ich bin so wütend, dass ich kaum noch Luft kriege. Jetzt krampft sich auch mein Magen zusammen, und ich stelle mir vor, wie ich aussteige und den Typen anschreie. Wow, was ich da sagen will, so rede ich normalerweise gar nicht!“ Und dann beobachtest du, wie sich das Gefühl nach und nach verändert, während du es weiter beobachtest. Denn das wird es tun. Versprochen.

Warum das so ist? Es liegt daran, dass du durch das Beobachten das Gefühl lässt, ihm also keine Energie durch Widerstand gibst, gleichzeitig aber auch keine Energie hineingibst, indem du dich dem Gefühl unterwirfst. Das Beobachten lässt das Gefühl, ohne dass es mit neuer Energie versorgt wird. Und etwas, das keine Energie bekommt, verändert sich – immer! Ganz egal, ob es ein lebendiges Wesen oder ein Gefühl oder gar einfach nur ein Gedanke ist: Was keine Energie bekommt, verändert sich und wird weniger.

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