Lebenserwartung: 33 Jahre. Prostitution ist kein Beruf wie jeder anderer

Sexarbeiterinnen… Das älteste Gewerbe der Welt… Ein Job, bei dem frau mal schnell 100 € in der Stunde verdient… Und die Bordelle zahlen brav ihre Steuern und sind beim Neujahrsempfang der Stadt eingeladen. Ex-Prostituierte plaudern im Fernsehen über ihren Job und dass sie ihn genießen. Was man dabei vergisst: Jene Ex-Prostituierten sind inzwischen Chefinnen – sie schaffen schon lange nicht mehr selbst an. Sie lassen es andere für sich tun. Fragt man sie, ob das ein guter Beruf für ihre Töchter wäre – nein, keine einzige will das!

Warum ich das schreibe? Weil ich nun schon zum fünften Mal mit einer Frau gearbeitet habe, die sich prostituiert. Ihr Zuhälter darf nicht wissen, dass sie kommt, er würde sie mindestens verprügeln und aus der Stadt bringen. Alle fünf Frauen hatten eine Gemeinsamkeit: Sie haben eine Seele, die der eines Folteropfers entspricht. Schwerst traumatisiert. Alle haben ein Abhängigkeitsproblem, sie haben während ihrer aktiven Zeit viel Alkohol getrunken oder andere Drogen genommen, um den Job auszuhalten, sie haben sich während des Sex aus ihrem Körper gebeamt, viel getan, um sich nicht mehr zu spüren, sie haben verletzte Genitalien, sie haben Kinder abgetrieben, sie sind arm. Alle verachten Männer. Alle berichten von zunehmender Gewalt, der die Prostituierten ausgesetzt sind, und von immer extremeren Wünschen der Männer, die sie bezahlen. Nicht immer sagen sie „Ja“ dazu, aber die Verachtung steigt. Keine dieser Frauen ist nach ihrer Tätigkeit in der Lage, eine normale, liebevolle Beziehung zu führen. Eine hat einen Mann mit Geld geheiratet. Nun prostituiert sie sich nur noch für einen. Besser als vorher. Aber von Liebe keine Spur, und auch er behandelt sie als das, als was er sie kennengelernt hat: Eine Nutte. Er bezahlt, sie tut was er will.

Diese fünf Frauen haben freiwillig angeschafft. Keine wurde gezwungen. Eine hat es aus Liebe zu ihrem Zuhälter getan. Die anderen haben sich frei dafür entschieden, sie dachten, das sei ein Job wie jeder andere, und noch gut bezahlt. Sex haben und damit Geld verdienen, da sei doch ok. Diese fünf gehören zu den Privilegierten,

Prostitution zerstört nicht nur die Seelen dieser Frauen, sie zerstört auch den Respekt zwischen den Geschlechtern. Die Frauen verachten die Männer, aber auch Männer, die Frauen kaufen, achten diese Frauen nicht – sie sind Objekte, Körper, die man benutzt gegen Geld. Das bewirkt etwas, das man mit Geld nicht ausgleichen kann. Prostituierte leben schlecht, und sie leben nicht lange: nach einer internationalen Studie hat eine Prostituierte im Schnitt eine Lebenserwartung von 33 Jahren. In Deutschland werden sie vielleicht ein wenig älter. Aber auch bei uns sterben sie früh: An ihrer Sucht, an Krankheiten, an Gewalt, und viele nehmen sich das Leben. Nach der Zeit als Prostituierte arbeiten sie als Hilfskräfte, zum Beispiel in der Altenpflege, denn sie sind ja hart im Nehmen, oder sie enden auf der Straße, weil sie aus dem sozialen Gefüge heraus gefallen sind.

Wie gesagt: Die Frauen, die ich in meiner Arbeit kennengelernt habe, gehören zu denen, die noch Glück haben. Die meisten der geschätzt 400.000 (!) Frauen, die in Deutschland als Prostituierte leben und arbeiten, tun das nicht freiwillig. Wer sich mal zwei Stunden vor den heimischen Puff stellt, zu der Zeit, wo er öffnet, wird die schwarzen Limousinen aus Rumänien und anderen osteuropäischen Ländern sehen, die dort vorfahren, die Frauen zur Arbeit schicken und weiterfahren. Das sind die „Boy Friends“, die den großen Teil der ca. 10.000 Euro kassieren, die eine fleißige Nutte im Monat erwirtschaftet. Häufig werden diese Frauen nach ein paar Wochen in das nächste Bordell gefahren, sie sind ständig unter Beobachtung und wissen, dass ihre Familie zuhause unter Druck gerät oder erfährt, dass ihre Tochter gar nicht als Kellnerin arbeitet, wenn sie aussteigen möchten. Ihre Ausweise sind in der Hand ihrer Boyfriends, viele von ihnen erleiden Gewalt, und nach kurzer Zeit denken sie nicht mehr daran auszusteigen,

Unser Prostitutionsgesetz, dazu gemacht, die Frauen zu schützen, schützt in Wirklichkeit nur die Sex-Industrie. Und führt dazu, dass nun schon im Lokalradio oder auch im lokalen Genußmagazn die Werbung fürs Bordell läuft, zu einer Tageszeit, zu der auch unsere Kinder Radio hören. Was Kinder daraus lernen: Es ist normal, Frauen für Sex zu bezahlen, Sex hat nichts mit Zuneigung und gegenseitiger Wertschätzung zu tun, Frauen und Männer unterscheiden sich, denn Frauen sind käuflich und Männer können sie kaufen. Dabei geht es nicht nur um Sex, sondern auch um Macht. Und Deutschland ist für den internationalen Sex-Handel inzwischen die wichtigste Drehscheibe.

Natürlich existiert die Prostitution auch weiterhin in den Ländern, in denen sie inzwischen verboten ist. Aber in viel geringerem Maß, viel weniger Frauen versklaven sich in diesem Business, und es ist dort nicht mehr „normal“, den Junggesellenabschied mal schnell im Puff zu feiern oder sich beim Absacker einen blasen zu lassen.

Mir reicht es. So viel Gewalt direkt in unserer Nachbarschaft, so viel Leid, in diesen schicken legalen Clubs. Und je länger das legal ist, im Radio beworben wird, umso normaler finden wir es. Das darf nicht sein!

Seit einer Woche habe ich deshalb auch Infos in meiner Praxis ausliegen. Der Verein „Solwodi“ engagiert sich seit Jahren gegen Frauenkauf und -Handel (www.solwodi.de). Wenn ihr mutig seid, bestellt dort eine Unterschriftenliste und helft mit. Das Ziel: Die Bundesregierung dazu bewegen, dass das jetzige Prostitutionsgesetz gekippt und durch eine Regelung ersetzt wird, wie sie auch in Skandinavien gilt. Jede Frau, die deswegen weniger in diesem mörderischen Geschäft landet, ist es wert!