Warum solltest du auf keinen Fall normal sein?

Wenn du anstrebst normal zu sein, legst du einen soliden Grundstein für chronisches Unglück. Warum ist das so?

Der Grund ergibt sich aus dem Wort „normal“. Wer normal ist, entspricht der Norm, er ist genormt (oder hat sich selbst genormt, was am Häufigsten passiert). Die Norm aber wird durch die jeweilige Gesellschaft bestimmt. Diese Normen sind von Gesellschaft zu Gesellschaft anders, und sie verändern sich auch mit der Zeit. Aber trotzdem liegen sie oft wie Gewichte auf unseren Schultern, die uns ständig ins Ohr flüstern: So sollst du sein. So ist es richtig. So bist du richtig. Und im Umkehrschluss: Wenn du so nicht bist, bist du falsch. Nun sind aber die meisten Menschen, die auf die Welt kommen, nicht dafür gemacht, zu leben, wie unsere derzeitige Norm ist: 12 Jahre lang verheiratet, einmal fremdgegangen und einmal betrogen worden, 1,7 Kinder, ein Reihenmittelhaus mit Carport und einen drei Jahre alten Mittelklassewagen. Diverse Geheimnisse. 80 Tausend Euro Vermögen und einen Haufen Schulden. Falls die Ehe noch Bestand hat ist sie mit 80%-iger Wahrscheinlichkeit unlebendig, eingefahren und man hat sich arrangiert.

Genau das ist es nämlich, dem die meisten Menschen in unserer Gesellschaft zustreben, weil sie gelernt haben, dass das normal sei und damit verbinden, dass es Voraussetzung sei, um glücklich zu werden. Immer noch! Selbst wenn absehbar ist, dass die Normalität in zwanzig Jahren anders aussehen wird. Dann leben wir häufiger in WGs, teilen uns Autos und Gerätschaften, bewirtschaften gemeinsam mit anderen einen kleinen Gemüsegarten und so weiter. Und auch dann wird es für Kinder schwierig sein, das nicht gut zu finden.

Streben wir das „Normale“ an, müssen wir alles in uns unterdrücken, was nicht dazu passt. Je mehr wir von uns selbst unterdrücken, umso unlebendiger wird es im Innern, umso toter und leerer fühlen wir uns. In meiner Arbeit höre ich das oft: „ich müsste eigentlich glücklich sein. Ich habe doch alles. Aber ich bin es nicht, ich fühle mich wie tot.“ Gehst du mit einer solchen Aussage zu einem Psychiater, wird er dir sagen: Du bist depressiv. Und das stimmt: Depression bedeutet „Unterdrückung“ und ist genau die Krankheit, die man bekommt, wenn man große Teile der eigenen Lebendigkeit unterdrückt. Heilen kannst du sie, indem du das tust, was sich stimmig anfühlt, was für das Herz im Innern stimmt – auch wenn es gegen alle Konventionen geht. Hab Mut!