Wo Kinder Verantwortung haben sollten

Die Frage wofür Kinder Verantwortung tragen sollten und wofür nicht, ist immer wieder aktuell. Soll man ihnen bei den Hausaufgaben helfen oder nicht? Das Pausenbrot in die Schule nachtragen
(weil sie sonst nichts zu essen haben in der Pause) oder nicht? Soll man sie ans Duschen erinnern oder nicht? Ans Zähneputzen? Ihnen die Klamotten gefaltet in den Schrank legen oder nicht? Wie viel sollen Kinder im Haushalt tun, und darf man sie dazu zwingen? Sollen Kinder bei der Nutzung von Medien kontrolliert werden oder lässt man sie selbst entscheiden, was und wie viel sie da treiben? Wie viel Taschengeld sollen sie bekommen, und was dürfen sie sich dafür kaufen? Müssen sie es absprechen, oder sind sie frei in der Entscheidung, wofür sie ihr Geld investieren? Es gibt kaum eine Aktivität, bei der es nicht verschiedenen Meinungen gibt. Und endlose Streitigkeiten mitsamt Vorwürfen: autoritär gegen laissez-faire und so weiter.

Dabei können zwei sehr einfache Regeln dabei helfen:

  1. Rechte und Pflichten sollen sich die Waage halten. Also: wenn ein Kind viele Pflichten übernimmt, darf es auch mehr. Deshalb sollten die Großen auch mehr dürfen als die Kleinen. Nicht nur, weil sie größer sind! Übernimmt ein Kind weniger Pflichten, darf es auch weniger. Heißt: durch das, was es für die Gemeinschaft tut, erwirbt es Freiheiten. So lernt es, was es bedeutet, Verantwortung zu tragen. Man darf etwas, aber das kostet auch was.
  2. Ein Kind darf dort Verantwortung bekommen, wo es in der Lage ist, die Konsequenzen zu tragen. Heißt: das Pausenbrot vergessen heißt Hunger haben oder sich was organisieren müssen. Diese Konsequenzen kann ein Kind tragen, also darf Mutti auf keinen Fall in die Schule rasen um das Brot zu bringen. Das gleiche gilt für das Lineal, auch wenn es eine Strafarbeit gibt. Das hilft Kindern zu lernen, worauf sie achten müssen, und als Kinder sind sie in der Lage, es zu lernen. Später als Erwachsene nicht mehr. Die Folgen eines übertriebenen Süßigkeitenkonsums dagegen können Kinder nicht verantworten. Kriegen sie mit 20 Diabetes, sind definitiv wir Eltern daran Schuld. Deshalb ist es unsere Aufgabe dafür zu sorgen, dass sie sich vernünftig ernähren, und zwar so gut, wie wir es beeinflussen können und auch um den Preis von Konflikten mit den Kindern. Das Gleiche gilt für alles, was das Schaffen des Schuljahres angeht (du hast die Woche über nicht gelernt, also musst es eben am Sonntag tun), die Hygiene und alles, was Gesundheit und langfristige Lebens-Chancen betrifft. Ob ein Kind dagegen schräge Klamotten oder eine peinliche Frisur trägt, ist seine Sache. Schließlich muss es ja selbst damit klar kommen, was die anderen darüber denken 🙂