Mansplaining – wenn Männer Frauen die Welt erklären

Dieses Wort besteht aus „Man“ (Mann) und „Explaining“, also erklären. Ein Mann erklärt einer Frau, wie der Hase läuft. Damit ist nicht gemeint, was passiert, wenn ein Mensch einen anderen um Hilfe bittet und dieser der Bitte nachkommt. Sondern das unaufgeforderte Erklären. Das tun Männer Frauen gegenüber viel häufiger als anders herum. Im Berufsleben, aber auch in Beziehungen. Da habe ich vor einigen Tagen am Nachbartisch im Restaurant eine Unterhaltung zwischen Mann (Frau war dabei und saß gegenüber) und dem Kellner erlebt: „Was hätten Sie gerne?“ –  „Ich nehme das Steak mit Pommes – für meine Frau bitte das Steak aber ohne Pommes, sie mag das nicht so. Sie hätte gerne einen Salat, nicht wahr Schatz, du verträgst ja keine Bohnen, also bitte keine Bohnen“… Und so ging es die ganz Zeit. Als die beiden über ein berufliches Thema sprachen, erklärte er ihr lang und breit, wie es im Business läuft. Mir hätte es am Nebentisch die Zehennägel aufgerollt, wäre das Essen nicht so lecker gewesen und ich ja nicht im Dienst 🙂

Warum fühlen sich Frauen gekränkt, wenn Männer ihnen die Welt erklären, sie in einen Parklücke einweisen, ihnen ungefragt etwas zeigen? Ist das nicht einfach nett? Warum ist frau dann häufig sauer oder fühlt sich gedemütigt, klein und unqualifiziert, obwohl sie weiß, dass das gar nicht stimmt?

Wenn Männer Frauen etwas erklären oder zeigen, was diese schon wissen oder selbst können (manchmal sogar besser als der betreffende Mann!), spricht Mann oberflächlich über das Thema. Darunter liegt eine andere Botschaft: Ich bin schlauer als du, ich bin dir überlegen. Männer, die Frauen freundlich die Welt erklären, sagen eigentlich damit: Ich bin besser als du. Sie zimmern unter dem Deckmantel der Hilfsbereitschaft Positionen fest. Und während Frauen sich dann an der Oberfläche „wehren“ („Danke für das Angebot, aber ich kriege das gut ohne deine Hilfe hin!“), bleibt die unterschwellige Nachricht unkommentiert. Und wogegen frau nicht widerspricht, das hat sie akzeptiert.

Männer, die so ticken, haben immer ein beschädigtes Selbstwertgefühl. Sie tragen dick auf, weil sie sich tief im Innen eigentlich klein und schwach fühlen, und zwar Frauen gegenüber. Indem sie nun ihre Frau oder alle Frauen oder ganz bestimmte Frauen durch das Mansplaining klein machen, fühlen sie sich proportional besser, überlegen und erhaben.

Ungefragt erklären ist also immer eine Form der Missachtung – besonders perfide allerdings, weil sie unter dem Deckmantel der Hilfsbereitschaft und Nächstenliebe daher kommt. Und das sind in unserer Gesellschaft sehr hoch gehaltene Werte. Jemandem, der Hilfe anbietet, darf man nicht böse sein. Ich finde das extrem übel!

Was kann frau tun, wenn sie das im Job erlebt? Am besten mit einer der folgenden Schlagfertigkeitstechniken zurückgeben.

Übersetzertechnik

Die erste ist die Übersetzertechnik. Sie bringt in einer Gegenfrage die unbewusste, also implizite Unterstellung („Ich habe Ahnung, du nicht“) in das Gespräch ein.

Beispiel: Herr Klug: (ungefragt) „Frau Schön, diese neue Software ist wirklich der Hit. Sie kann viel mehr als die, mit der Sie arbeiten. Dadurch ersparen Sie sich viele Schritte, die Sie jetzt noch machen….“

Frau Schön:“ Wollen Sie mir damit sagen, dass ich viel zu umständlich arbeite und keine Ahnung von Software habe?“

Damit bringt Frau Schön Herrn Klug in die Bredouille. Denn nun muss er die Hosen runterlassen und Klartext reden. In der Regel wird er einen schnellen Rückzug machen, beschwichtigen, und sich nach einer Weile genau überlegen, ob er noch einmal einen Versuch unternimmt.

Konfusionstechnik

Eine andere Verteidigungsstrategie ist die der Konfusionstechnik. Dabei geht frau überhaupt nicht auf das Thema ein, über das der Mann zu reden scheint, sondern wechselt es völlig unlogisch das Thema.

Beispiel: Herr Klug: (ungefragt) „Frau Schön, diese neue Software ist wirklich der Hit. Sie kann viel mehr als die, mit der Sie arbeiten. Dadurch ersparen Sie sich viele Schritte, die Sie jetzt noch machen….“

Frau Schön: „Haben Sie eigentlich gesehen, wie Braunschweig in der zweiten Halbzeit gespielt hat? Der Pass von Pfitzner auf Kruppe war abgründig…“

Herr Klug:“ Ähm, ich rede gerade über die neue Software….“

Frau Schön: „Ach, Sie haben das Spiel gar nicht gesehen? Ich dachte, Sie interessieren sich für Fußball.“

Wenn Frau Schön das eine Weile durchhält, verliert Herr Klug die Lust, weitere Attacken zu fahren!

Honig-um-den-Bart-Technik

Frauen, die die Konfrontation scheuen, können auch die Honig-um-den-Bart-Technik nutzen. Dabei erbitten sie eine konkrete Hilfeleistung erbitten.

Beispiel:

Herr Klug: (ungefragt) „Frau Schön, diese neue Software ist wirklich der Hit. Sie kann viel mehr als die, mit der Sie arbeiten. Dadurch ersparen Sie sich viele Schritte, die Sie jetzt noch machen….“

Frau Schön: „Wenn ich Sie nicht hätte, Herr Klug! Sie erklären mir immer wieder so wichtige Dinge, dass ich ohne Sie mit Sicherheit total aufgeschmissen wäre. Sie sind immer so hilfsbereit! Wenn nur alle Männer so wären wie Sie. Ach, wo Sie gerade da sind: Würden Sie bitte das Paket da drüben für mich zur Poststelle bringen? Es ist dringend, aber Sie wissen ja, so schwere Pakete sollten Frauen nicht tragen. Für Sie ist das ja gar kein Problem. Können Sie das einfach mitnehmen? Das ist wunderbar, vielen vielen Dank!“

Ein Mann, der jedes Mal mit einer unangenehmen Aufgabe aus einen solchen Gespräch herausgeht, wird nach einer Weile die Lust daran verlieren. Wichtig für Frau Schön: Beim Honig-um-den-Bart-schmieren“ darf und muss sie extrem übertreiben, auch wenn ihrdas innerlich komplett gegen den Strich geht! Die Übertreibung kann nicht groß genug sein, und die Aufgabe, um die sie Herrn Klug bittet, nicht unangenehm genug! Sie darf ihn nicht gehen lassen, bevor er nicht einen ätzenden Job für sie übernommen hat.

Also liebe Frauen: Lasst euch Mansplaining nicht mehr gefallen! Und liebe Menschen, Männer wie Frauen: trefft ihr jemanden, Mann oder Frau, der euch die Welt erklärt, spielt den Ball elegant zurück!

 

 

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