Blödsinn des Tages: Kinder sollen Süßigkeiten bekommen, damit sie lernen, sie sich einzuteilen

„Unsere Kinder bekommen jeden Tag einen kleinen Teller Süßigkeiten, damit sie lernen, sie sich selbst einzuteilen.“

„Wenn man Kindern die Süßigkeiten verbietet, wollen sie sie später umso mehr.“

„Sie bekommen eine feste Menge am Tag, damit keinen Heißhunger entwickeln“

Ich kann jedes dieser Argumente verstehen. Jedes klingt für sich gesehen logisch. Ich kenne viele Eltern, die sie aus voller Überzeugung und mit besten Absichten vertreten. Leider aber wird das, was daraus erwächst, deshalb nicht besser. Nicht nur Zahnärzte und Diabetologen schlagen die Hände über dem Kopf zusammen, wenn Kinder täglich naschen. Es ist nicht verkehrt, wenn Kinder hin und wieder etwas Süßes essen. Aber selbst, wenn Kinder zuhause überhaupt keine Süßigkeiten bekommen, essen sie täglich welche. Als Belohnung in der Schule, als Geschenk in der Apotheke oder im Drogeriemarkt, beim Kindergeburtstag im Kindergarten oder in der Grundschule, Dazu kommt der Zucker im Rosinenbrötchen in der Pause, den Frühstücksflocken, der heißen Schokolade, dem Eistee, dem Fruchtjoghurt, dem Nachtisch in der Mensa, im Salatdressing, im den Keksen und so weiter und so fort. Kein Tag ohne Zucker. Und Kinder, die im Schnitt immer übergewichtiger, immer zappeliger und immer unzufriedener sind.

Was letzteres mit dem Zucker zu tun haben soll? Aus psychologischer Sicht eine ganze Menge. Zucker bewirkt im Gehirn nämlich die Ausschüttung eines Neurotransmitters, eines wichtigen Botenstoffs. Der heißt Dopamin und schenkt und Belohnungsgefühle. Normalerweise wird er dann ausgeschüttet, wenn wir etwas gut gemacht haben. Wir haben in der Schule ein kompliziertes Wort richtig geschrieben? Dopamin wird ausgeschüttet, wir freuen uns und sind stolz, wir merken und das Wort und möchten mehr von dem guten Gefühl. Also strengen wir uns beim Schreiben noch mehr an, schreiben besser und so weiter.

Wenn wir regelmäßig Zucker essen, wird das Gehirn immer wieder mit Dopanim überschwemmt, und zwar unabhängig davon, ob wir etwas gut machen oder nicht. Zucker bewirkt eine viel höherere Dopaminausschüttung als ein Erfolgserlebnis – letzteres hat dann gar keine Chance mehr, uns glücklich und stolz zu machen, so dass wir das Interesse an normalen Erfolgselebnissen verlieren, nur noch nach einem richtigen Kick suchen oder eben nach etwas Süßem. eine ähnliche Dopamin-Ausschüttung wie Zucker bewirent übrigens auch Kokain oder Nikotin – und Zucker macht ähnlich süchtig.

All diese Argumente möchten seltsamerweise kaum Eltern wirklich hören. Vielleicht ist es für sie einfacher, den Nachwuchs mit Süßem zu versorgen, anstatt immer wieder Nein sagen zu müssen. Deshalb bin ich zu einer anderen Argumentation übergegangen. Höre ich nun: „Mein Kind bekommt jeden Tag seine Ration Süßigkeiten, damit es lernt, verantwortungsvoll damit umzugehen“, frage ich: „Gibst du ihm auch jeden Tag ein Päckchen Zigaretten, damit es lernt, verantwortungsvoll damit umzugehen?“

Ich weiß, das klingt krass und ist auch nicht direkt vergleichbar. Aber eben auch nicht ganz falsch. Immerhin führt es dazu, dass wir in die Diskussion kommen. Und das war ja das Ziel.

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